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Paul Vanderfassad
Die Graffiti des Ingo Zimmermann |
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"Graffiti ist keine Kunst. Graffiti ist so alltäglich geworden, dass man es schon gar nicht mehr wahrnimmt.
Auch Ingo Zimmermann hat einmal als nächtlicher Sprayer angefangen. Es verbietet sich von selbst, über diese Frühwerke zu sprechen, fallen derartige Übungen doch unter den Tatbestand der vorsätzlichen Sachbeschädigung. Durch zunehmende technische Versiertheit und allmähliche Kristallisierung eines sehr eigenen, recht aufwendigen Stils wurde er aber mehr und mehr gezwungen, von Mauern und Fassaden schliesslich zur Leinwand als Sprühgrund zu wechseln.
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Die hohe Kunst stellt dar, zeigt auf, ist inhalts- und aussagegeschwängert. Ingo Zimmermann dagegen holt sich allenfalls seine Motive aus der Umwelt. Auf diese Weise finden sich in seinem Werk lebende Personen, Alltagsgegenstände, oder auch Blumen und Schriften, jeglicher Aussage und allen Inhalts beraubt, zu nichts weiter als einem dekorativen Element verarbeitet und aufgrund der Vielschichtigkeit der Bilder schon wieder interessant.
Vielleicht ist es das: man kann diese Bilder betrachten und denken: "Was soll das?". Beim zweiten Blick erkennt man ein Motiv, und hoppla, es überschneidet sich mit einem anderen, und da ist ja noch eines. Der Wechsel zwischen abstraktem Muster und schabloniertem Gegenstand bewirkt, dass man Ingo Zimmermanns Bilder auch nach Monaten täglichen Betrachtens immer noch gut findet.
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Wenn ich (als konventioneller Sprayer) auch seine Technik ablehnen muss, ja sogar behaupte, es handelt sich überhaupt nicht mehr um echtes Graffiti, so soll doch noch auf diese Technik eingegangen werden.
Ingo Zimmermann sprüht mit Schablonen, zum Teil mit mehrteiligen Modularen. Auf einen Untergrund sprüht er Lage um Lage Raster, Muster, Schriften, Motive, bis ein dichtes Netz farblicher Zusammenhänge entsteht. Dazu kommt, dass er immer die selben Schablonen benutzt, allenfalls hin und wieder neue schneidet.So erklärt sich, dass auf allen seinen Bildern immer wieder alte Bekannte zu sehen sind, ganz zu schweigen vom ewigen Raster in allen Grössen, den er liebt, und der so schon zu seinem Markenzeichen geworden ist. Auch hier in Berlin gibt es noch keinen, der so sprüht wie er.
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Das Ganze bezeichnet Ingo Zimmermann selbst nicht mehr als Graffiti im landläufigen Sinn, sondern als "pochoir", aus dem Französischen, was aber nichts weiter als Schablonengraffiti bedeutet.
Nach Vorbildern befragt, nennt er zunächst sich selbst, daneben spielten beim Sprühen allenfalls noch Roy Lichtenstein, Andy Warhol und Kurt Schwitters eine Rolle. Andere Sprayer lehnt er als nicht nachahmenswert ab. Dabei kann man nicht umhin, die Verwandtschaft zwischen Ingo Zimmermann und vor allem den französischen "pochoiristes" als zumindest offensichtlich zu bezeichnen, auch wenn er im Gegensatz zu diesen keine Inhalte transportieren möchte, zumal er ja eine viel ausgefeiltere Technik anwendet. Da Ingo Zimmermann beinahe jede Saison seine Manier ändert, dürfen wir abwarten, wohin ihn diese Entwicklung noch führt."

Paul Vanderfassad 
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